{"id":222480,"date":"1979-08-09T00:00:00","date_gmt":"1979-08-09T00:00:00","guid":{"rendered":""},"modified":"-0001-11-30T00:00:00","modified_gmt":"-0001-11-29T22:00:00","slug":"1160","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/lab.feuerwehr-eppelborn.de\/index.php\/1979\/08\/09\/1160\/","title":{"rendered":"An der Katastrophe vorbei &#8211; Das Wunder von Thalexweiler"},"content":{"rendered":"&amp;quot;Die Maschine flog ziemlich tief. Pl&ouml;tzlich drehte sie sich zweimal um die eigene Achse. Die zwei Piloten katapultierten sich mit dem Schleudersitz heraus, die Maschine drehte sich trudelnd weiter, und es gab einen dumpfen Knall.&amp;quot; <br \/>\r\n<br \/>\r\nSo schildert Erwin Wirschmann, 50, den Absturz der Phantom II F 4 in dicht besiedeltes Wohngebiet in Thalexweiler, den er w&auml;hrend der Arbeit in seinem Garten in D&ouml;rsdorf beobachtete. N&auml;her vor Ort war Klaus Fournier, Mitglied des Kreistages und der Verbandsversammlung des Rettungszweckverbandes Saar. Fournier, der etwa 200 Meter von der Absturzstelle weilte: &amp;quot;Ich h&ouml;rte einen dumpfen Knall, dachte zun&auml;chst an ein D&uuml;sengewitter. Dann sah ich jedoch den dunklen Rauchpilz und die Flammen und versp&uuml;rte eine starke Druck und Hitzewelle, die durch das Wiesengel&auml;nde zog.&amp;quot;<br \/>\r\n<br \/>\r\n&amp;quot;Wir sa&szlig;en gerade beim Kaffeetrinken, als wir den Knall h&ouml;rten und die Zimmert&uuml;r aus dem Rahmen flog. Wir rannten vors Haus und sahen &uuml;berall kleine Feuer brennen&amp;quot;, schildert ein anderer Einwohner der Stra&szlig;e &amp;quot;Zum Eisrech&amp;quot; in Thalexweiler seine Eindr&uuml;cke.<br \/>\r\n<br \/>\r\nVer&auml;rgert waren die Einwohner von Thalexweiler da&szlig; die den Ungl&uuml;cksjet begleitende zweite Phantom nach dem Absturz mit ohrenbet&auml;ubendem L&auml;rm mehrere Male im Tiefflug &uuml;ber den Ort raste und damit die Bewohner weiter in Schrecken versetzte. Diese Phantom kreiste jedoch &uuml;ber Thalexweiler, um die Ungl&uuml;cksstelle f&uuml;r den erwarteten Rettungshubschrauber zu markieren. <br \/>\r\n<br \/>\r\nMit leichten Verletzungen ins Krankenhaus gefahren wurden auf Veranlassung von Dr. Paul Maria Birkenbach (46) und Helmut Herrmann (48), deren Haus Nr. 33 in der Stra&szlig;e &amp;quot;Zum Eisrech&amp;quot; mit am schwersten besch&auml;digt wurde. Im Haus Nr. 33 lag ein Teil des Triebwerkes unmittelbar hinter der Eingangst&uuml;r im Hausgang, ein anderer Teil lag vor dem Haus in der Ecke des Treppenaufstiegs. Das Haus selbst sah, wie die meisten in der Nachbarschaft, wie nach einem Bombeneinschlag aus. <br \/>\r\n<br \/>\r\nNeben Ministerpr&auml;sident Werner Zeyer weilten am Donnerstagmorgen zahlreiche Landespolitiker am Absturzort, um sich &uuml;ber das Ausma&szlig; der Sch&auml;den und m&ouml;gliche Hilfeleistungen f&uuml;r die Betroffenen zu orientieren. Robert Wagner und Hans Gro&szlig; (CDU) wollten nach den Ferien den Innenausschu&szlig; mit dem zunehmenden milit&auml;rischen Flugbetrieb &uuml;ber dem Saarland befassen. Hans Georg Wagner (SPD) sagte jegliche Unterst&uuml;tzung seiner Fraktion auf diesem Gebiet zu. Angesprochen wurden von allen Landtagsabgeordneten auch der Absturz eines Phantom-Jagdbombers vor einem Jahr in Oberthal und die Tatsache, da&szlig; dort noch nicht alle Sch&auml;den reguliert seien. <br \/>\r\n<br \/>\r\nZur Schadenfeststellung wurde unter Leitung von Ministerialdirektor Gerhard Breit die bestehende Schadenfeststellungskommission des Innenministeriums eingesetzt. Wie der Vertreter des Innenministeriums betonte, arbeitet die die Kommission mit allen zust&auml;ndigen Organisationen und Institutionen zusammen, darunter die Staatsanwaltschaft, f&uuml;r die Oberstaatsanwaltschaft weilte Willi Noss an der Absturzstelle, die Kriminalpolizei, die Schutzpolizei und Angeh&ouml;rige der US-Air-Force, die beispielsweise Soforthilfen zusagten. Bereits zwei Stunden nach der Katastrophe wurden die Betroffenen von Vertretern des Innenministeriums in der Thalexweiler Schule &uuml;ber Fragen der Schadensregulierung unterrichtet. <br \/>\r\n<br \/>\r\nGro&szlig; war das Aufgebot von Beamten der Polizei. Insgesamt waren rund 200 Polizisten (Revier Lebach, Verkehrsabteilung, Bereitschaftspolizeiabteilung) sowie etwa 40 Angeh&ouml;rige der Kriminalpolizei im Einsatz. Wilhelm Botz, der Leiter der Polizeiabteilung im Innenministerium, die Leiter des Schutz- und Kriminalpolizeiamtes, Werner Gindorf, &uuml;berzeugten sich davon, da&szlig; die Zusammenarbeit zwischen der Polizei, den freiwilligen Hilfsorganisationen, Angeh&ouml;rigen des Fallschirmj&auml;gerbataillons 261 und sp&auml;ter der US-Streitkr&auml;fte reibungslos funktionierte. <br \/>\r\n<br \/>\r\n65 Soldaten des Fallschirmj&auml;gerbataillons 261 Lebach waren unter der Leitung von Major Volker Baer im Einsatz. Ihre Aufgabe lag zun&auml;chst darin, die Wrackteile zu sichern, bis die amerikanischen Soldaten mit der Bergung begannen. Die Soldaten beteiligten sich anschlie&szlig;end an den Aufr&auml;umungsarbeiten und dem Verladen von M&ouml;beln, die aus den schwer besch&auml;digten H&auml;usern zu verwandten oder befreundeten Familien transportiert wurden. <br \/>\r\n<br \/>\r\nSchnell unter Kontrolle hatte die Feuerwehr die Br&auml;nde an den beiden H&auml;usern. 32 Wehrm&auml;nner aus Lebach und 25 aus Eppelborn waren unter der Leitung des Lebacher Wehrf&uuml;hrers, Hauptbrandmeister Egon Buchholz, im Einsatz. Nach den L&ouml;scharbeiten beteiligten sich die Wehrleute ebenfalls an den umfangreichen Aufr&auml;umarbeiten. Ebenfalls schnell zur Stelle waren zahlreiche Helfer des Roten Kreuzes und des Malteser-Hilfsdienstes, f&uuml;r die es jedoch gl&uuml;cklicherweise nicht all zuviel zu tun gab. Dr. Paul Birkenbach &amp;quot;Katastrophen-Experte&amp;quot; best&auml;tigte eine gute Zusammenarbeit der einzelnen Hilfsorganisationen untereinander. <br \/>\r\n<br \/>\r\nDie Aufr&auml;umarbeiten an den besch&auml;digten H&auml;usern dauerten bis kurz nach 17 Uhr an. Trotz unaufh&ouml;rlich anhaltendem Regen konnten die Einsatzkommandos offene D&auml;cher und Fenster bei den nicht zu stark in Mitleidenschaft gezogenen H&auml;usern notd&uuml;rftig mit Plastikplanen abdichten. <br \/>\r\n<br \/>\r\nMittlerweile hatte die Polizei, die nach wie vor mit der Bundeswehr das Gebiet abriegelte, fahrbare Lichtmasten aufgestellt. Bei eintretender Dunkelheit wurde das Gebiet ausgeleuchtet. Die Geb&auml;ude wurden dar&uuml;ber hinaus w&auml;hrend der Nacht von der Polizei bewacht. Heute soll ein amerikanisches Spezialistenteam eintreffen, um die Wrackteile einzusammeln und so die Unfallursache zu ermitteln.<br \/>\r\n<br \/>\r\n[b]Gesch&auml;digte erhalten Ersatz[\/b]<br \/>\r\n<br \/>\r\nDie Regulierung der beim gestrigen Absturz der US-Phantom-Maschine aufgetretenen Sch&auml;den an Wohnh&auml;usern und Inventar erfolgt auf zwei Ebenen. <br \/>\r\n<br \/>\r\nAlle Sch&auml;den sind von den Betroffenen dem saarl&auml;ndischen Innenministerium, Abteilung B. Verteidigungslastenverwaltung, Bismarckstra&szlig;e 19, in Saarbr&uuml;cken oder der Gemeindeverwaltung zu melden. Unabh&auml;ngig davon m&uuml;ssen sich alle Gesch&auml;digten &#8211; sofern sie eine Wohngeb&auml;ude oder Hausratsversicherung abgeschlossen haben, sofort mit ihrem jeweiligen Versicherer in Verbindung setzten. Sowohl beim Innenministerium als auch beim Versicherer m&uuml;ssen die entstandenen Sch&auml;den in voller H&ouml;he zur Regulierung angemeldet werden. <br \/>\r\n<br \/>\r\nNach Mitteilung des Verbandes der Sachversicherer (K&ouml;ln) kann nach heutiger Rechtslage davon ausgegangen werden, da&szlig; alle Gesch&auml;digten einen hundertprozentigen Ersatz erhalten. Denn sowohl Wohngeb&auml;ude- als auch Hausratsversicherung sehe Schadenersatz beim Absturz bemannter Flugzeuge hinsichtlich des Absturzes und der Folgesch&auml;den durch Rauch und Ru&szlig; sowie L&ouml;scharbeiten vor. <br \/>\r\n<br \/>\r\nDer saarl&auml;ndische Ministerpr&auml;sident Werner Zeyer ging gestern bei einem Besuch der Unfallstelle davon aus, da&szlig; die ersten Abschlagszahlungen f&uuml;r Reparaturarbeiten an den zum Teil erheblich in Mitleidenschaft gezogenen H&auml;usern von den entsprechenden Stellen bereits in den n&auml;chsten Tagen get&auml;tigt werden. <br \/>\r\n<br \/>\r\nNach Mitteilung des saarl&auml;ndischen Innenministeriums wurden bis jetzt 70 Antr&auml;ge auf Ersatz der durch den Absturz eines kanadischen D&uuml;senflugzeuges am 18. August 1978 verursachten Sch&auml;den in Oberthal gestellt. Nach Abschluss der Schadensregulierung dieses Unfalls soll ein umfassender Bericht &uuml;ber diesen Fall vom Innenminister vorgelegt werden. U.R. \r\n<figure class=\"wp-block-gallery has-nested-images columns-default is-cropped wp-block-gallery-1 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\">\r\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"https:\/\/lab.feuerwehr-eppelborn.de\/wp-content\/uploads\/2009\/06\/19790809_01.jpg\" rel=\"lightbox[222480]\"><img decoding=\"async\" data-id=\"222481\" src=\"https:\/\/lab.feuerwehr-eppelborn.de\/wp-content\/uploads\/2009\/06\/19790809_01.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-222481\"\/><\/a><\/figure>\r\n\r\n<\/figure>\r\n\r\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&amp;quot;Die Maschine flog ziemlich tief. Pl&ouml;tzlich drehte sie sich zweimal um die eigene Achse. 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