{"id":220612,"date":"2006-04-20T00:00:00","date_gmt":"2006-04-20T00:00:00","guid":{"rendered":""},"modified":"-0001-11-30T00:00:00","modified_gmt":"-0001-11-29T22:00:00","slug":"707","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/lab.feuerwehr-eppelborn.de\/index.php\/2006\/04\/20\/707\/","title":{"rendered":"Schwerstarbeit f&uuml;r Nothelfer"},"content":{"rendered":"<p>VON DPA-MITARBEITER SEBASTIAN RAABE<\/p>\n<p>[b]Hamburg.[\/b] Wie bekommt man einen 300 Kilogramm schweren Mann aus seiner Wohnung, auf eine Trage oder in den Rettungswagen? \u201eVor wenigen Jahren hatten wir so einen Fall einmal im Jahr\u201c, erz&auml;hlt Peter Braun, Feuerwehrsprecher in Hamburg. \u201eMittlerweile r&uuml;cken wir im Schnitt einmal im Monat zu solchen Eins&auml;tzen aus.\u201c Und meist wissen die Sanit&auml;ter nicht, welch schwere Aufgabe sie zu bew&auml;ltigen haben.<\/p>\n<p>Schnell werden so aus den Minuten, die eine Rettungsaktion dauern sollte, Stunden. \u201eWir brauchen meist f&uuml;nf Mal so lang\u201c, erkl&auml;rt Braun. \u201eDas Problem ist ja nicht nur das extreme Gewicht, sondern vor allem das gro&szlig;e Volumen.\u201c Die Tragen sind meist nur f&uuml;r 160 Kilogramm zugelassen, die Treppenh&auml;user sind zu schmal, die Rettungswagen zu klein. Bei solchen Eins&auml;tzen bleibt nur der Einsatz von schwerem Ger&auml;t. Und das steht nicht sofort bereit: \u201eOft merken die Kollegen erst vor Ort, mit was f&uuml;r einem Fall sie es zu tun haben. Erst dann k&ouml;nnen sie alles anfordern, was n&ouml;tig ist\u201c, sagt Braun.<\/p>\n<p>In Hamburg machen sich die Helfer seit l&auml;ngerem Gedanken dar&uuml;ber, was alles n&ouml;tig ist, um die \u201e&uuml;berschweren Personen\u201c zu retten. Elegant sei die gefundene L&ouml;sung zwar nicht, aber sie funktioniert, erkl&auml;rt Braun. Im Fall der F&auml;lle r&uuml;cken in der Hansestadt ein schwerer Kran mit Stahlwanne, ein Gro&szlig;raumrettungswagen und ein Lastwagen mit einem Krankenhausbett aus. \u201eWir fahren die Konstruktion vor ein Fenster, und dann wird der Patient &uuml;ber die Fensterbank auf das Bett gehievt\u201c.<\/p>\n<p>[b]Manchmal hilft nur Gewalt[\/b]<\/p>\n<p>Doch wenn der Kran nicht vor dem Haus parken kann, oder die Fenster zu klein sind, hilft nur noch Gewalt: \u201eAuf einer Rettungsplane m&uuml;ssen wir den Patienten dann durch die T&uuml;r ziehen\u201c, sagt Braun. F&uuml;r den Patienten eine &auml;u&szlig;erst schmerzhafte Erfahrung, f&uuml;r die Helfer Schwerstarbeit. Erst Mitte M&auml;rz mussten Feuerwehrleute in Hannover mit einem 60-Tonnen-Kran einen rund 300 Kilo schweren Mann aus seiner Wohnung in der vierten Etage bergen. Der Patient hatte einen Schw&auml;cheanfall und war gest&uuml;rzt. Der Versuch, den sechs Zentner schweren Mann &uuml;ber eine Drehleiter zu retten, scheiterte.<\/p>\n<p>Doch nicht nur die technischen Schwierigkeiten machen den Feuerwehrleuten Sorgen. \u201eDas ist ein gro&szlig;es ethisches Problem\u201c, erz&auml;hlt Silvia Darmst&auml;dter vom Deutschen Feuerwehrverband in Berlin. Auch hier beobachtet man mit Sorge die wachsende Zahl der Spezial-Eins&auml;tze. \u201eWir haben keine genaue Statistik, doch es scheint vor allem ein Problem in den gro&szlig;en St&auml;dten zu sein\u201c, sagt Darmst&auml;dter.<\/p>\n<p>In Internet-Foren wie dem der Berliner Feuerwehr diskutieren Helfer &uuml;ber ihre Erfahrungen und tauschen Tipps aus. In Schleswig-Holstein wurde ein &uuml;bergewichtiger Patient mehrfach mit einem Pritschenwagen transportiert.<\/p>\n<p>Auch der Kostenaufwand ist enorm. Denn der Mehraufwand wird von den Krankenkassen nicht gezahlt. Und die Eins&auml;tze sind teuer, der Personalaufwand viel gr&ouml;&szlig;er als im Normalfall. Beim Bundesverband der Allgemeinen Ortskrankenkassen (AOK) f&uuml;hrt man allerdings keine Statistik &uuml;ber die steigenden Belastungen. Alle Eins&auml;tze werden pauschal abgerechnet. Die Rettungsdiensttr&auml;ger vor Ort schlie&szlig;en Vertr&auml;ge mit den Kassen, sagt ein Sprecher. Auf den Mehrkosten f&uuml;r Gro&szlig;eins&auml;tze bleiben die Feuerwehren meist sitzen.<\/p>\n<p>Peter Braun rechnet f&uuml;r die Zukunft mit weiter steigenden Einsatzzahlen. \u201eDie Leute werden ja immer dicker\u201c, sagt der Feuerwehrmann. Untersuchungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) scheinen die Bef&uuml;rchtungen zu best&auml;tigen. Schon jetzt sind in Europa zwischen 25 und 75 Prozent der Einwohner &uuml;bergewichtig \u2013 fast 400 Millionen Menschen. Die Tendenz ist steigend.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>VON DPA-MITARBEITER SEBASTIAN RAABE [b]Hamburg.[\/b] Wie bekommt man einen 300 Kilogramm schweren Mann aus seiner Wohnung, auf eine Trage oder in den Rettungswagen? \u201eVor wenigen Jahren hatten wir so einen Fall einmal im Jahr\u201c, erz&auml;hlt Peter Braun, Feuerwehrsprecher in Hamburg. \u201eMittlerweile r&uuml;cken wir im Schnitt einmal im Monat zu solchen Eins&auml;tzen aus.\u201c Und meist wissen<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[],"class_list":["post-220612","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-pressebericht"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/lab.feuerwehr-eppelborn.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/220612","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/lab.feuerwehr-eppelborn.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/lab.feuerwehr-eppelborn.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/lab.feuerwehr-eppelborn.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/lab.feuerwehr-eppelborn.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=220612"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/lab.feuerwehr-eppelborn.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/220612\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/lab.feuerwehr-eppelborn.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=220612"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/lab.feuerwehr-eppelborn.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=220612"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/lab.feuerwehr-eppelborn.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=220612"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}